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Steiger - Arbeitsbühnen - Cherrypicker

:sick:

Hey Kollegen... Ich schrieb dies vielen von Euch heute bereits als Email und es wurde angeregt, die Chose auch hier im Forum zu posten. Voilà.

Liebe Kollegen von Kamera, Bühne und Licht,

die Verwirrung ist groß, diesmal treibt mich der „Steiger-Schein“ um. Was sollen wir machen?

Habe ich eine „Befähigung zum Führen einer Hubarbeitsbühne“, darf nur ich auf den Steiger. Habe ich keine, und es kommt zu einem Unfall, kommt eine fürchterliche Maschinerie ins Rollen mit vielfältigen unangenehmen Folgen. Wer hat wen mit was beauftragt…? Für den alltäglichen Betrieb ist die Lizenz nicht vorgeschrieben, passiert was, haftet keine Versicherung.
Man darf wohl ganz viele Sachen nicht, die wir machen, rigg technisch. Erst recht nicht mehr, wenn man einen „Steiger-Schein“ hat. Andererseits vermittelt einem diese Ausbildung da Kenntnisse über Gefahrenbeurteilung, die unter Umständen unersetzlich sind. Vielleicht gehen sogar manche Sachen schneller als früher. Aber wer honoriert das? Kriege ich mehr Gage, weil ich den Schein hab? Nö. Kann es aber passieren, dass ich den Zusatz oder den ganzen Film gar nicht machen kann, weil ich keinen Schein hab? Keine Ahnung. Komme ich in die „Besserwisser-Ecke“ wenn ich dem Cheffe wiederspreche und ihm sage, dass er den 12x12 ;-) oder wegen mir den Jibarm nicht an den Steiger machen darf? Möglich. Und was ist, wenn sich jemand von der Baubühne mal eben meine Schere leihen will? Auweia!

Wahrscheinlich sind alle total genervt von solchen Themen (Stichwort Äääh-Schein), aber mich interessiert Eure Meinung und Eure Erfahrung zu dem Thema.

Der Beleuchterverband bietet da eine Schulung an, wo auch Nicht-Mitglieder mitmachen können (um 160 €, zwei Tage, absetzbar) und ich bin gerade im Gespräch mit Herrn Schilling von der BG. Habe Euch meine jüngste Kommunikation mit ihm mal angehängt. Ich bin ja dafür, unseren Beruf weiter zu professionalisieren, aber unsicher, was diese ganze Unfall Sache anbelangt. Es ist ja niemals was Schlimmes passiert… Besonders grau ist es in der TV-Show und Werbe-Welt. Und dann gibt es seit einigen Jahren diese „Agenturen für Arbeitssicherheit“, die die Produktionen in trügerische Sicherheit wiegen. Die machen Einen auch fertig! 10 Produktionen, 10 verschiedene Ansätze.

Freu mich über Rückmeldung, gerne weiterleiten (sind nur 50+ Kollegen im BC Verteiler ;-) bis bald & Grüße von Rena

Cherrypicker-Piloten-Lizenz?
Das fordert kein Gesetz!

Nehmen wir mal an ich wäre Produzent und brauche einen Cherrypicker am Set:
Als Produzent kenne ich das Arbeitsschutzgesetz auswendig (oder ich kann Internet und gucke nach).

Nach dem ArbSchG bin ich verpflichtet "Maßnahmen des Arbeitsschutzes" zu treffen. Um rauszukriegen welche, soll ich eine Gefährdungsbeurteilung machen und die möglicherweise erforderlichen Maßnahmen daraus ableiten. Ausserdem darf ich für die jeweiligen Arbeitsaufgaben nur Leute auswählen die dazu fachlich, persönlich und gesundheitlich geeignet sind.
Von der fachlichen und persönlichen Eignung meines Cherrypickerpiloten muss ich mich überzeugen, nachfragen reicht hier nicht. Mit überzeugen meint der Jurist belegen, also einen Schein. Wenn aus dem Schein hervorgeht dass nach dem BG (oder DGUV) Grundsatz 966 ausgebildet wurde ist das ok. Als nicht-Mediziner kann ich die gesundheitliche Eignung nicht beurteilen. Mir bleibt auch hier nur nach einem Schein als Beleg zu fragen. Dafür gibt's auch BG Grundsätze, G25 Tauglichkeit für Fahr- und Steuertätigkeiten und G41 für Höhenarbeiten. Mir reicht hier der G41, weil Höhrfähigkeit, stereoskopisches und pheriphäres Sehen hierbei auch untersucht wird.

Meine Gefährdungsbeurteilung hat ergeben:
Cherrypicker macht ne menge Ärger wenn es umkippt, oder irgendwo gegengefahren wird. Herzkasperl in der Höhe ist auch uncool.
Maßnahmen:
Maschine muss geprüft sein ->Verleiher schriftlich verpflichten
Personal ist auf genutzten Maschinentyp eingewiesen ->Verleiher schriftlich verpflichten und kontrollieren obs auch gemacht wurde
Personal ist ausgebildet->Schein zeigen lassen
Personal ist gesundheitl.geeignet -> G41 zeigen lassen
Personal hat Ausbildung nach StVo-> Führerschein zeigen lassen
Personal ist schriftlich beauftragt ->Prod.Leitung
Aufstellort ist geeignet, Untergrund ist tragfähig, ?Maßnahmen noch erforderlich? ->Protokoll einer befähigten Person, am besten der Operator selbst

Das Ganze wird gem.§6 ArbschG protokolliert (Kopien der Scheine anbei) und gutdeutsch abgelegt.
Sollte trotzdem was passieren, hab ich meine Belege und bin sauber vor Gesetz und meiner Versicherung. Ohne die Scheine hab ich ne Karte. Die Arschkarte.

Die Frage nach der Schein-Pflicht ist auch in der BGR 500 (Technische Regel zur Betriebssicherheitsverordnung) Thema:

1 Anwendungsbereich
Dieses Kapitel findet Anwendung auf das Betreiben von Hebebühnen.

2 Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei der Arbeit
2.1 Beschäftigungsbeschränkung
Mit der selbstständigen Bedienung von Hebebühnen dürfen nur Personen beschäftigt
werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, in der Bedienung
der Hebebühne unterwiesen sind und ihre Befähigung hierzu gegenüber dem
Unternehmer nachgewiesen haben. Sie müssen vom Unternehmer ausdrücklich
mit dem Bedienen der Hebebühne beauftragt sein. Der Auftrag zum Bedienen
von Hubarbeitsbühnen muss schriftlich erteilt werden.

Bei der Beauftragung von (Sub-) Unternehmen ist oben stehendes genauso anzuwenden. Auch Betreiber von Arbeitsstätten (zb.Messehallen) sind gehalten so vorzugehen, deshalb ist in vielen Hallen oder Studios Schein-Pflicht angesagt.

Zu der Frage was da manchmal so an die Picker geriggt wird, sage ich Euch gern was am Telefon: 030 940 56 698

Grüße, Axel